Badezimmer Knigge – Worauf Gäste in fremden Badezimmern achten sollten

Wie verhalte ich mich in einem fremdem Badezimmer richtig? Die ungeschriebenen Gesetze im Gästebad.

Wie verhalte ich mich als Gast in einem fremden Badezimmer richtig? Welche ungeschriebenen Gesetze sollten Sie beachten, wenn Sie zu Besuch sind bei Freunden, Verwandten oder zu Gast in einem Hotel? Insbesondere für das Verhalten im Bad gibt es einen Badezimmer-Knigge als Gradmesser für Höflichkeit und der guten Erziehung. Man redet nicht darüber, sondern man macht es einfach.

Etikette im modernen Bad

Die guten Umgangsformen werden ständig einer modernen Welt und einer sich verändernden Gesellschaft angepasst. Mit welchen ungeschriebenen Gesetzen im Bad müssen wir uns heute auseinandersetzen? Welche Themen müssen wir unseren Kindern nahebringen, damit die „gute Kinderstube“ sich offenbart?

Synonym für gute Manieren

Seitdem der Schriftsteller Adolph Freiherr Knigge (1752–1796) über gute Umgangsformen schrieb, steht der Name KNIGGE synonym für gute Manieren. Wie seine Lebensdaten nahelegen, passen einige seiner Tipps nicht mehr auf die heutige Welt. Zur Zeit Kniggges gab es zum Beispiel noch kein Wasserklosett. Latrinen und Toiletten kannten zwar schon die alten Römer, jedoch mit dem Römischen Reich war auch zunächst die Toilettenkultur verschwunden.

Ungeschriebene Gesetze im Badezimmer

Badezimmerkultur hat eine enorme Bedeutung und gehört vielleicht sogar zur Basis einer zivilen Gesellschaft dazu. Der kultivierte Umgang mit einer fremden Person, die nach mir das Bad benutzen möchte, steht dabei im Mittelpunkt. Mit dieser zunächst fiktiven Person respektvoll umzugehen, veranschaulicht eine philosophische Komponente der Toilettenkultur.

Wie du mir, so ich dir

Im Hotel meiner Großeltern auf Norderney hing auf jeder Toilette und in jedem Badezimmer ein Schild mit einem Text, der sinngemäß etwa lautete: „Verlassen Sie diesen Raum so, wie Sie ihn selbst gern vorfinden möchten.“ Nicht zufällig ist diese Aufforderung angelehnt an den Philosophen Immanuel Kant: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Über die Philosophie des sozialen Miteinanders im Bad

„Behandle einen Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest“ ist eine Maxime, die wie der der Kant’sche Imperativ auf viele Lebensbereiche übertragbar ist und gilt auch für das kultivierte Benehmen im Badezimmer. Hierbei wird keinerlei Unterscheidung getroffen zwischen öffentlicher Toilette, wie Restaurant oder Hotel, oder einem Gästebad bei Freunden.

Der letzte Fetzen Papier

Ein schönes Beispiel für das Motto „Wie du mir, so ich dir“ bzw. „Wie ich dir, so du mir“ ist die aufgebrauchte Klopapierrolle. Es gibt nichts ärgerlicheres, als zu spät festzustellen, dass mir leider nur ein letzter Fetzen Papier übrig gelassen wurde, aber die neue Rolle irgendwo unerreichbar weit weg liegt. Bitte versuchen Sie, solche unangenehmen Peinlichkeiten zu vermeiden. Falls Ihnen also auffällt, dass es mit dem Papier zur Neige geht, zeigen Sie Mitgefühl für Ihre nachfolgenden Toilettengänger und ersetzen Sie die Rolle mit einer neuen – notfalls geben Sie am Tresen oder beim Gastgeber Bescheid.

InformationTipp Toilettenpapier: Als Gastgeber gilt für Sie umgekehrt, die Ersatzrolle möglichst nahe am Geschehen sichtbar zu platzieren und nicht etwa im Schrank zu verstecken.

Das manierliche Benehmen auf dem Stillen Örtchen

  • Im Sitzen das Geschäft verrichten (andernfalls zumindest den Toilettensitz nach oben klappen)
  • Toilettensitz reinigen, zum Beispiel mit etwas frischem Papier wischen
  • Vollständig spülen! Lieber einmal mehr, als einmal zu wenig
  • Tampons oder Binden niemals der öffentlichen Abwasserversorgung anvertrauen
  • Verunreinigungen gründlich beseitigen, am besten mit der dafür vorgesehenen Bürste

InformationTipp Toilettenbürste: Falls man diese nicht mit bloßen Händen anfassen möchte, nehmen Sie einfach ein Stück Toilettenpapier dafür. Dieses können Sie dann einfach mit wegspülen.

Kultiviert: Toilettendeckel schließen

Ein echter Erziehungsmarker für die gute Kinderstube ist der geschlossene Toilettendeckel. Sowohl für Sie als Gastgeber, als auch als Gast in einem fremden Badezimmer ist diese Geste ein Merkmal für gute Manieren. „Das gehört sich so“, sagen Eltern mit einer eher wenig aussagekräftigen Begründung. Einige behaupten, das Spülen bei bei offenem Deckel würden Keime als Aerosol im Bad verteilen. Andere sagen, Feng Shui-Energien würden achtlos „im Lokus“ heruntergespült. Wie auch immer, tun Sie es einfach. Bevor Sie das Bad verlassen, vergewissern Sie sich, ob der Deckel der Toilette geschlossen ist. 

Alternativlos: Hände waschen

Zwar ist das Badezimmer nicht der Ort in der Wohnung mit der höchsten Keimbelastung, sondern neben dem Kühlschrank und auf dem Spüllappen in der Küche tummeln sich diverse Krankheitserreger vielmehr auf dem Schreibtisch, insbesondere auf der Maus und der Tastatur. Dennoch sollten Sie das Reinigen der Hände ernst nehmen. Schon aus hygienischen Gründen sollten Sie sich prinzipiell häufig die Hände waschen. 

Pflege: Waschbecken trocknen

Ein Handgriff, den Ihnen das Personal und die nachkommenden Gäste danken werden, ist, das Waschbecken trocken zu wischen. Das geht auch mit den Einwegtüchern aus den Spendern einer öffentlichen Toilette im Theater oder an der Tankstelle. Ein Waschbecken, das unbenutzt aussieht, wirkt einladend. Außerdem wird mit dieser einfachen Maßnahme auf Dauer das Waschbecken gepflegt, da Spritzer und Tropfen können unschöne Kalkflecken verursachen können.

InformationTipp Gästehandtücher: Erleichtern Sie Ihren Gästen, mit guten Manieren zu glänzen. Stellen Sie einen Korb voll Händehandtücher aus Stoff bereit, dazu einen Behälter, um diese zu entsorgen, denn jedes Tuch wird nur einmal verwendet. Sie bedeuten also viel Wäsche, aber das ist der Hauch von Luxus Wert: Gästebadmöbel

Duschen und Baden im fremden Badezimmer

Immer eine gute Idee ist es, sich so zu verhalten, wie Sie es zuhause auch tun würden: zum Beispiel nach dem Baden oder Duschen die Seifenreste wegspülen. Haare sollten gründlich entfernt werden, am besten mit einem trockenen Einweglappen, den Sie danach in den Abfalleimer werfen können. Denn es nicht sehr ökologisch, die Haare einfach mit Wasser wegzuspülen, wie etwa die Stoppeln nach der Rasur, da sie von den kommunalen Wasseraufbereitungsanlagen aufwendig herausgefiltert werden müssen.

Im Hotel: Das Handtuch auf den Fußboden werfen?

Wir lüften jetzt eine der mysteriösesten Benimmregeln aus der Etikette für Badezimmer in Hotels. Grundsätzlich werden Handtücher natürlich nicht jeden Tag auf den Fußboden geworfen. Hotelgäste sollten zum Beispiel Dusch- und Badetücher normalerweise mehr als einmal verwenden. Sie werden einfach an die dafür vorgesehenen Haken und Schienen zum Trocknen aufgehängt. Nur wenn Sie dem Personal signaliseren möchten: ich hätte gern ein frisches Handtuch. Dann sollten Sie es ordentlich gefaltet im Bad oder im Zimmer auf den Boden legen.

Noch junge Toilettenkultur

Das heutige WC gibt es in Europa erst seit dem 19. Jahrhundert. Das Klopapier gibt es in Deutschland gar erst seit 1928 (Hakle). Überhaupt existiert ein Badezimmer mit Dusche und Badewanne erst seit wenigen Jahrzehnten. Unsere Großeltern haben noch zum Teil in einer Zinkwanne gebadet, die einmal pro Woche – meist samstags -, die in der Küche aufgestellt wurde. In dasselbe Wasser stiegen nacheinander sämtliche Familienmitglieder.

Kulturen mit anderen Badezimmersitten

Für Menschen etwa aus Italien, Portugal, Frankreich, aus dem Mittleren Osten, Ostasien oder China gehört es zu einer kultivierten Lebensweise dazu, sich nach jedem Toilettengang auf das Bidet zu setzen und sich gründlich zu waschen. Dagegen ist bei Deutschen und auch beispielsweise bei Engländern das Bidet im Bad ganz und gar unüblich.

Das Emotion-24 Team wünscht Ihnen jederzeit das gute Gefühl, im Badezimmer das richtige zu tun (und zu lassen). Viel Spaß!

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